1. Übersicht

Dieses Dokument beschreibt eine Möglichkeit, den Sender FrSky X12S mit einem Touch-Screen auszustatten. Dazu sind sowohl Modifikationen an der Hardware des Senders notwendig wie auch eine angepasste Version von EdgeTx.

Bitte beachten Sie, dass das Öffnen des Sendergehäuses den Verlust der Gewährleistung des Lieferanten nach sich zieht.
x12s
Figure 1. Der Sender FrSky X12S

2. Firmware

2.1. Modifikationen an EdgeTx

Die notwendigen Modifikationen an EdgeTx sind in diesem Pull-Request zusammen gefasst.

EdgeTx muss daher selbst configuriert und übersetzt werden:

$ git clone https://github.com/wimalopaan/edgetx.git
$ cd edgetx
$ git checkout wmx12stouch
$ mkdir build_x12s
$ cd build_x12s
$ cmake -DX12S_TOUCH_MOD=YES -DPCB=X12S -DLUA=YES -DLUA_MIXER=YES -DGVARS=YES ..
$ make firmware (1)
1 Oder make -j$(nproc) firmware, falls so viele make-Subprozesse starten soll, wie CPUs/Kerne vorhanden sind. Dies beschleunigt die Kompilation entsprechend.

Anschließend kann die Datei firmware.bin wie üblich auf den Sender kopiert und geflashed werden.

2.2. Download der modifizierten Firmware

Die Firmware (ggf. mit einigen weiteren Änderungen und in deutsch) kann hier erhalten werden.

3. Hardware

3.1. Benötigte zusätzliche Teile

Natürlich wird ein neues Display benötigt, das mit einem GT911-Touch-Controller ausgestattet ist. Diest ist dasselbe Modell, das auch im Sender RadioMaster TX16S eingebaut ist. Daher kann auch der Code zur Ansteuerung übernommen werden.

Da in der X12S kein Steckplatz für den Anschluss des Touch-Controllers vorhanden ist, muss der Touch-Controller mit seinen sechs Anschlüssen mit gezielten Verbindungen angeschlossen werden. Zwar ist diese Möglichkeit in der X12S so nicht unmittelbar vorgesehen, doch können auf der Hauptplatine die entsprechenden Anschlusspunkte passend zu der modifizierten Firmware leicht identifiziert werden.

Das FFC-Anschlusskabel des Touch-Controllers lässt sich aber nicht löten, so dass daher am besten ein fertiges Adapter-Board verwendet wird. Dieses Adapter-Board kann dann mit normalen Kablen oder Kupferlackdraht mit dem Mainboard verbunden werden.

3.1.1. Touch-Display

Es gibt (mindestens) zwei Versionen des 480x272-Pixel großen Displays:

Alternativ kann das vorhandene Display mit einer zuätzlichen Touch-Folie (und GT911-Controller) ausgestattet werden.

3.1.2. Adapter für FFC-Kabel

Ein geeigneter Adapter für das 6-poliger FFC-Kabels des Touch-Controllers:

adapter
Figure 2. Adapter

4. Modifikationen

Sicherheitshinweis
Bevor Sie mit den Modifikationen beginnen, lesen Sie erst die gesamte Anleitung durch. Erst wenn Sie alle Maßnahmen verstanden haben, beginnen Sie mit den Arbeiten.
Schrauben
Merken Sie sich die Zuordnung der unterschiedlichen Schrauben zu ihren Positionen.

4.1. Demontage

4.1.1. Unterer Deckel

Nehmen Sie zunächst den unteren Deckel des Senders ab.

Achtung: Heben Sie den Deckel vorsichtig und nicht zu weit an, nachdem Sie die Schrauben gelöst haben. Bei halb abgehobenen Deckel müssen Sie noch die Verbindungen zum Vibrationsmotor und den beiden Schiebereglern vom Mainboard lösen.

Sicherheitshinweis
Nachdem Sie den unteren Deckel abgenommen haben, ziehen Sie sofort den Stecker des Akkus aus dem kleinen Stecker auf dem Anschlussboard. Damit vermeiden Sie Kurzschlüsse und eine Zerstörung des Senders. Der Akku selbst kann im Akkuhalter verbleiben.

4.1.2. Akkuträger

Schrauben Sie den Akkuträger ab und schieben Sie ihn etwas schrägt zur Seite. Danach wird auch der Connector P8 auf dem darunter liegenden Mainboard sichtbar.

4.1.3. Display

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Figure 3. Originales Display ohne Touch, daher nur ein (40-pol) FFC-Kabel

Schrauben Sie das Tochterboard (unter dem Display) mit dem GPS-Modul und dem Kopfhöreranschluss los. Auf der Rückseite befindet sich der 40-polige FFC-Verbinder für das Display. Klappen Sie den Bügel des Connectors hoch, dabei löst sich das FFC-Kabel von alleine aus dem Verbinder.

Unter dem Tochterboard wird der Andruckrahmen für das Display sichtbar. Auch dieser Rahmen muss losgeschraubt werden. Entnehmen Sie den Rahmen, indem Sie ihn zwischen den Antennenkabeln hindurch zur Seite schieben. Dies muss sehr vorsichtig geschehen, damit die Antennenkabel nicht beschädigt werden.

Nun können Sie das Display einfach nach oben heraus nehmen.

Achten Sie darauf, dass der Gummirahmen des Displays im Gehäuse liegen bleibt, bzw. legen Sie ihn wieder an Position.

4.2. Umbau

Das Mainboard (s.a. Bild: Mainboard) muss nicht ausgebaut werden. Das folgende Bild dient nur der Übersicht.

horusx12
Figure 4. Mainboard

4.2.1. Neues Display

Das neue Display wird wieder in den Gummirahmen eingelegt. Darauf achten, dass keine Kabel, die in der Nähe liegen, eingeklemmt werden.

rahmen
Figure 5. Einbaurahmen

Das neue Display (oder das alte zusammen mit der Touch-Folie) ist ca. 2mm dicker als das alte Display.

Aus diesem Grund käme der Andruckrahmen zu hoch, mit der Konsequenz, dass die Schrauben dafür zu kurz sind und auch das Tochterboard nicht mehr richtig montiert werden kann, d.h. die Kopfhörerbuchse passt nicht mehr in das Loch des Gehäuses.

dicke
Figure 6. Dickenvergleich der Displays

Der Andruckrahmen wird daher in seiner Dicker reduziert. Dies kann einfach abgeschliffen werden, etwa mit einem Dremel-Werkzeug.

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Figure 7. Der modifizierte Andruckrahmen

Auch hier darauf achten, dass der obere Anschlag des Andruckrahmens erhalten bleibt. Er verhindert, dass sich das Display verschiebt.

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Figure 8. Der modifizierte Andruckrahmen

Nach dem Abschleifen des Rahmens lässt er sich auch wieder ohne Spannung montieren. Hat man zu viel abgeschlieffen, kann man sie mit selbtklebenden, dicken Montageklebeband behelfen.

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Figure 9. Andruckrahmen wieder in Position
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Figure 10. Detail: Kopfhörer-Anschluss

4.2.2. Anschlüsse

Bevor Sie das Tochterboard wieder auf den Andruckrahmen schrauben (Achtung: Kopfhörerbuchse), stecken Sie das 40-pol. FFC-Kabel wieder ein (unverwechselbar), und drücken den Rahmen des Verbinders wieder herunter. Dies muss sich ohne große Kraft erledigen lassen.

Das FFC-kabel des Touch-Controllers bleibt zunächst übrig.

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Figure 11. Das FFC-Kabel des Touch-Controllers am Display
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Figure 12. Einbau des neuen Displays
Achtung bei der Beschriftung der Anschlüsse

Am originalen Display ist eine Nummerierung angegeben.

ffcDisplay
Figure 13. Das FFC-Kabel des Originaldisplays

Berücksichtigt man, dass auch das 6-polige FFC-Kabel des Touch-Controllers ebenso über Kopf in den Connector des Adapters eingeschoben werden muss (Kontakte unten, Bügel oben), ergibt sich eine umgekehrte Reihenfolge als aufgedruckt. Dies ist nicht weiter schlimm, kann jedoch zu Verwirrung im Vergleich zur Nummerierung in der Radiomaster TX16S Dokumentation führen.

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Figure 14. Reihenfolge der Anschlüsse. Achtung: Vertauschung gegenüber der TX16S Dokumentation

Das folgende Bild zeigt die Lage der Anschlüsse (P8 und das IMU) auf dem Mainboard der X12S.

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Figure 15. Lokalisation der benötigten Anschlüsse: links der Connector P8 und rechts das IMU-Modul

Die folgende Aufnahme bezeichnet die Lage der Anschlüsse am Connector P8: Int, Reset, 3,3V und Gnd.

P8
Figure 16. Der Connector P8 und die Anschlüsse (Achtung: die graue Beschriftung Reset ist schwer zu erkennen)

Zuordnung der Anschlüsse auf dem Adapter.

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Figure 17. Anschlüsse auf dem Adapter-Board

Anschlüsse am Connector P8

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Figure 18. Anschlüsse des Connectors P8

Angeschlossene Kabel an P8. Achtung: in dieser Anleitung werden die Kabel gelb oder grau auch für den Anschluss am IMU verwendet!

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Figure 19. Anschluss der Kabel am Connector P8
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Figure 20. Anschluss der Kabel am Connector P8 (Nahaufnahme)
Keine Verpolung
Stellen Sie sicher, dass die Versorgungsspannungsanschlüsse Gnd und 3,3V nicht vertauscht sind.

Das Adapterboard selbst lässt sich mit zwei Tropfen Heißkleber im gehäuse fixieren.

Schieben Sie das 6-pol. FFC-Kabel in den Verbinder ein (Kontaktflächen nach unten).

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Figure 21. Einbau des Adapters und Anschluss der Kabel

Das folgende Bild zeigt die Anschlüse SDA und SCL des I2C-Bus-1 am IMU:

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Figure 22. Das IMU-Modul und seine Anschlüsse (Achtung: die graue Beschriftung SCL ist schwer zu erkennen)
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Figure 23. Anschlüsse des IMU
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Figure 24. Anschluss von SDA und SCL an die Pins des IMU

Das folgende Bild zeigt den Zustand nach erfolgter Modifikation.

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Figure 25. Übersicht nach erfolgter Modifikation

5. Anhang

5.1. Steckverbinder am Connector P8

Der Connector P8 hat einen Lochabstand (Pitch) von 2mm. An dieser Stelle kann man auch einen 5-poligen JST PH Steckverbinder einsetzen.

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Figure 26. JST PH Buchse (hier: 4-pol.) an P8
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Figure 27. JST PH Buchse (hier: 4-pol.) an P8

6. Ressourcen

7. Credits

  • Risto (rotorman)

  • Stefan RC Becker